Guten Morgen, liebe Sorgen LP (29.05.1987) 3,5 Punkte

Diese Platte war der kommerzielle Durchbruch des Komikers
Jürgen von der Lippe, denn wer kennt bitteschön die beiden Lieder „Dann ist der Wurm drin“ und „Guten Morgen, liebe Sorgen“ nicht? Und man kann auch beim wiederholten Hören immer noch darüber lachen! Die Nummer „Clint Eastwood“ ist aber beim zweiten Hören nicht mehr lustig. Hier stecken die späteren Reimlieder leider noch in den Kinderschuhen und sind viel zu kurz, wie z.B. „Große Männer“ und „Manche trinken Kaffee“. Zumindest der letzte Junggeselle aus dem Sauerland hat mit „Hubert Lippenblüter und die Silvesterparty“ hier schon Erfolge und feiert diese auch auf späteren Platten. Mit „Der Nächste bitte“ wird eine witzige Nummer über Psychologen gebracht, die aber etwas langatmig ist. Und für die Verarsche bzw. prominente Parodien von „Märchen“, insbesondere von Hänsel & Gretel ist doch nun wirklich
Otto zuständig. Großartig dagegen ist die Nummer „Rache“, in der zum ersten Mal die Figur
Bernie Schibulla auftaucht. Dann folgt aber wieder eine Kategorie, nämlich Meldungen aus der „Zeitung“, die in der Art deutlich besser vom Kollegen
Mike Krüger dargestellt werden. Zum Abschluss dient dann noch der
Bob Dylan Song „Blowing in the wind“ zur Einleitung für das Thema „Kontrollierte Schadstoff-Emission“, welches nur von Leuten richtig verstanden wird, die sich mit ihren Leibwinden auskennen. Fazit: Zwei hervorragende Songs und eine witzige Nummer können diese Platte nicht wirklich retten. Das ist zu wenig.
Humor ist Humor LP (29.10.1990) 1,0 Punkte

Eine reine Platte nur mit Liedern. Da diese zwischen „Is was“ und „König der City“ veröffentlicht wurde, kann man schon von Resteverwertung sprechen, denn eigentlich ist nur ein guter Song, nämlich „Ich muß beim Reimen immer weinen“ hier vertreten. Man kann die Songs bzw. die Refrains zwar alle gut mitsingen, doch es weht ein Hauch einer Karnevalsparty, auf der schlechte Stimmung herrscht, mit - zumindest im ersten Song „Humor ist Humor“. Das zweite Lied „Nur wenn mein Liebchen ruft“ soll wohl eine Persiflage auf Melodien aus alten Heimatfilmen darstellen, diese geht aber deftig in die Hose. Mit „Der Kühlschrank“ werden die Schlager der 30er Jahre bedient, was die
Comedian Harmonists aber bestimmt besser hinbekommen hätten. Genauso, wie der Country-Song „Ich bin einfach viel zu gut“ viel besser zu
Truck Stop gepasst hätte. Eigentlich ist „Lars vom Mars“ ein perfekter Schunkel- und Mitsing-Song, doch die hohe Stimme nervt gewaltig, was bei „Seit ich Mütze trage, ist die Welt in Ordnung“ nicht anders ist. Ganz ehrlich, ohne den zweideutigen Text, könnte „Ich bin hier – du bist da“ ein super Kinderlied für
Rolf Zuckowski darstellen. Und das Schunkellied „Hier steh ich nun, ich armes Schwein“ würde sich bestimmt in jedem Oktoberfestzelt heimisch fühlen. Wie bereits oben erwähnt, stellt der letzte Song „Ich muß beim Reimen immer weinen“ den einzig guten Song da, daher erscheint er später auch auf der „Das Beste aus 30 Jahren“-CD.
König der City CD (31.08.1992) 5,0 Punkte

Einen richtigen Aufbau, wie Begrüßung – Mittelteil – Ende, haben ja die wenigsten Programme von
Jürgen von der Lippe, doch hier fehlt alles davon. Es beginnt mit einem Jingle (von dem noch sechs weitere folgen werden), bzw. eher einem Witz über die Sauerländer (quasi
Otto´s Ostfriesen) und gleich darauf folgt schon der Titeltrack „König der City“, eigentlich auch das beste Lied in diesem Programm. Die übrigen Lieder kann man wie immer sehr schnell beim zweiten Refrain mitsingen. Vertreten sind diesmal der Lebensmittelsong „Immer Lachs“, der Negativsong „Du bist immer so negativ“, der Montagssong „So´n Tag wie der Montag“, der Liebessong „Liebe (Bär Teil II) und der Erinnerungssong „Alte Zeiten“. Der Rat einer Eskimomutter in „Jingle Die Eskimomutter“ ist hoffentlich auch jedem bekannt. Endlich macht sich mal jemand Gedanken, was die Kuh wohl denkt, wenn die Menschen vor ihr stehen und „Muh“ sagen und er klärt uns auf, was für Probleme der Pandabär hat, da er meist impotent ist, zu hören in „Tiere“. Leider muss ich auch zugeben, dass es bereits bessere Geschichten als die von „Hubert Lippenblüter und die Fernbedienung“ gab. Der Refrain des Songs „Kreuzweise“ sollte man einfach das nächste Mal jedem entgegen singen, der einen ebenso kann. Mit „Ein Land“ wird eine super Persiflage auf die
Asbach Uralt-Werbung geliefert. In „Jingle Die Mundharmonika“ möchte er uns weismachen, dass dieses Musikinstrument früher als medizinischen Instrument benutzt wurde. Hoffentlich hört niemals jemand der heiratet so eine Tischrede wie von dem besoffenen Brautvater in „Hans Werner“. Der „Hochwürden“ stellt sich diesmal dem Thema Oralsex und seit der Geschichte „Udo Lohmeier kehrt zurück“ wird man bestimmt immer sehr vorsichtig mit dem chinesischen Senf
Samba Oleck in Chinarestaurants umgehen. Ich muss feststellen, dass ich bei diesem Programm keine wirklichen Höhepunkte nennen kann, daher vergebe ich hier auch nur fünf Punkte, denn die folgenden Programme sind um Längen besser.
Der Blumenmann CD (13.02.1995) 9,5 Punkte

Eins vorweg: Dies ist das beste Programm, was
Jürgen von der Lippe bisher abgeliefert hat, denn es hat alles: Saukomische Nummern, sofort ins Ohr gehende Songs, die aber auch zum Nachdenken anregen und selbst eine Parodienummer ist vertreten. Die schönsten Lebensfragen, die eigentlich auch nur ein
Jürgen von der Lippe stellen kann, werden in „Man weiss es nicht“ in eine wundervolle Ballade gesteckt. Dann werden Floskeln wie „Müsste aber“ in „Irrtümer“ abgehandelt und wie man darauf reagieren kann. Der Refrain von „Und ´nen Bauch hab ich auch“ wird wunderschön vom Publikum gesungen. Mit „Alkohol“ kommt dann die beste Nummer überhaupt, die die fünf Stufen des Alkoholgenusses beschreibt und die jeder nachvollziehen kann, der diese bereits durchschritten hat. Passend dazu der darauf folgende Song „Nie wieder Alkohol“. In „Auto I“ werden praktische Tipps für den Umbau desselben geliefert, z.B. sollte man die Bremslichter mit dem Gaspedal verbinden. Ich könnte einige Personen nennen, die auch das Problem mit „Stress-Gas“ haben. Die Tipps fürs Einkaufen im „Supermarkt“ sollte man vielleicht nicht alle nachahmen, den Spruch an einer vollen Kasse aber immer parat haben. Ich hoffe man muss als Mann nicht alle Blumenarten kennen, die er in „Der Blumenmann“ besingt. Schön finde ich, dass er mit der Nummer „Macho“ genau vor diesem Typ Mann warnen will, zählt aber auch wirklich uralte Anmachsprüche auf, die keine Frau mehr hören möchte. Mit „Der Lehrer“ folgt nicht gerade ein Loblied auf selbige, aber auch kein Hasslied. Einen der beklopptesten Texte findet man in dem Schunkellied „Das Ding“. Das Lieblingsthema Männer und Frauen wird diesmal anhand von „Unterschiede“ zwischen diesen erklärt. Eigentlich ist die Parodie von
Helge Schneider in „Helge + Peter“ grottenschlecht, die ganze Nummer trotzdem saukomisch, auch wenn man sie nicht zu oft hören sollte. Den emotionalsten Song gibt es mit „Rock ´n´ Roll, du hast mich nie geliebt“, der so auch aus der Feder von
Reinhard Mey hätte stammen können. Da sind wir doch froh, dass
Jürgen von der Lippe weiterhin im Comedysektor tätig ist.
So bin ich CD (09.04.2001) 7,0 Punkte

Gleich zu Beginn eine Parodie von vier deutschen Sängern gleichzeitig:
Wolfgang Niedecken,
Herbert Grönemeyer,
Udo Lindenberg und
Peter Maffay. Ich denke aber, man sollte schon die Gesichtzüge von
Jürgen von der Lippe während des Songs „Man war jung“ kennen um die lauten Lacher des Publikums richtig zu deuten. Im Gegensatz zu „Ich kann alles sagen“, können Frisöre oder Lehrer bei Elternsprechtagen nicht wirklich das sagen, was sie meinen. In dem Lied „Freundschaft“ verpackt er uralte Witze, die
Fips Asmussen schon erzählt hat, so genial, dass man wieder herzhaft über sie lachen kann. Sein Lieblingsthema, nämlich die „Unterschiede“ zwischen Männern und Frauen, erstreckt sich diesmal sogar über zehn Minuten lang. Seine Einstellung zum Thema „Hunde“ sollte man aber noch mal überdenken. Anhand des Liedes „Und was hab ich“ wird erklärt, was dabei herauskommt, wenn sich Frauen einen schöneren Text wünschen: Selbst schuld. Das Publikum gibt bei dem Zungenbrechersong „Aufguss 09“ wirklich alles, um nicht ins Stolpern zu geraten, scheitert aber auf ganzer Linie. Schön auch, wie spontan der Zwischenrufer abgefertigt wird. In der Nummer „Himmel“, stellt sich
Jürgen von der Lippe vor, dass es am besten wäre, wenn wir die Ewigkeit in der Gestalt verbringen, in der wir die schönste Phase unseres Lebens hatten. Es könnte nur das Problem auftreten, dass sich Paare dann vielleicht nicht wieder erkennen. Und wie wird eigentlich der Geschlechtsverkehr im „Himmel“ genannt? Engeln? Der Spruch „Heute sind wir mal vernünftig“ macht sich nicht nur als T-Shirt-Spruch gut, sondern auch als Song. Verdammt witzig sind die Beispiele für Beziehungen im Verlieb-Sein-Status und dem Status danach in „Getrennte Wohnungen“. Einen guten Mitsing-Refrain weist das Rumba angehauchte Stück „Rundum in Stimmung“ auf. Frauen können einfach keine Witze erzählen, als Beweis dient „Meine Frau und ich“. Und um die Nummer „Kalle und das Piertzing“ noch besser zu finden, muss man dessen Bühnenfigur gesehen haben. Fazit: Fast ein perfektes Programm, aber durch die vorhanden optischen Witze werden einige Punkte von der Höchstpunktzahl abgezogen.
Das Beste aus 30 Jahren CD (11.04.2008) 8,0 Punkte

30 Jahre auf der Bühne und kein bisschen leise. Nach gut einem Dutzend Soloprogrammen und einigen LP´s mit Liedern musste für das Best Of-Programm schon eine Doppel-CD her. Die ganz frühen Nummern sind leider etwas vernachlässigt worden, aber ansonsten ist es ein guter Querschnitt seines bisherigen Schaffens. Die einzelnen Lieder kommen auch in einem neuen Gewand daher, was an der Backgroundband liegen wird, die aus der Organistin
Iris Wehner und dem Gitarristen
Mario Hené besteht. Zunächst auch erstmal ein großes Dankeschön für die perfekte Antwort auf die Frage „Warum sind sie so dick?“ in „Ich kann alles sagen“ und dem
Westernhagen Vorgängersong „Dicke können besser“. Natürlich darf die hier leicht verkürzte beste Parodienummer „Es war Sommer – Helge und Peter“ nicht fehlen, die auch als Maxi-CD ausgekoppelt wurde. Die Frage „Was ist schlimmer als ein angebissener Apfel mit einem Wurm darin?“ leitet den Song „Dann ist der Wurm drin“ ein. Ausgerechnet oder gerade weil es so passend ist, erklärt er am Weltfrauentag in „Männer sprechen anders“ mal wieder die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Das Bibelzitat „Das Ringen Jakobs mit dem Engel“ dient dann als Einleitung für den Song „Ich muss beim Reimen immer weinen“. In „Der letzte Sommer“ erzählt uns
Jürgen von der Lippe seinen Lieblingskuhwitz und erklärt warum der Sport Golf was für Leute ist, die Ostern nicht abwarten können. Bei dem Song „Und ´nen Bauch hab ich auch“ wird das Publikum für den Refrain in Gewichtsklassen aufgeteilt. Leider kommen die „Impressions“, genauso wie der Zaubertrick „Der Keks“ auf CD nicht verständlich genug rüber. Dann ist erstmal Pause, obwohl ich bezweifele, dass so ein „Pausengespräch“ wirklich stattfindet. Den Eröffnungsgag „Kalle und das Piercing“ im zweiten Teil wurde noch um das Berufsbild der Bühnenfigur erweitert. Bei dem Zungenbrechersong „Aufguss 09“ verlangt
Jürgen von der Lippe dann wieder alles vom Publikum. Er lästert über „Vegetarier“ und über die „Schlaf“-Gewohnheiten seiner Frau, ebenso über die weibliche bzw. die männliche Brust in „Evolutionsbiologie“. Natürlich darf auch das Lied „Der Blumenmann“ nicht fehlen. Seinen Klassiker „Guten Morgen, liebe Sorgen“ kommt dann luftigleicht in einer Swingversion daher. Mal was anderes. Man wird in „Philosophie – Crash Kurs“ über Kausalverknüpfungen aufgeklärt und darf sich Jugenderinnerungen bei „Hätt´ ich nur ein Luftgewehr“ widmen, bevor mit „Nää war dat ne schöne Feier“ das Ponton zu „Die Party ist zu Ende“ diese Doppel-CD beschließt. Auf die nächsten 30 Jahre.
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