Auf gut Glück dieses Programm im
Theater Hagen besucht und hinterher begeistert gewesen. Jung, dynamisch, sarkastisch sind die Schlagwörter mit denen man den Kabarettisten und Parodisten
Florian Schroeder am besten beschreiben kann. Zunächst räumt er in „Begrüßung“ mit dem Kabarett-Klischee „Ich freu mich heute Abend hier zu sein“ auf und stellt den Abend unter das Motto „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“. Sehr politisch geht es in „Herr Pofalla und die coole CDU“ weiter, wo man sich erstmal wieder fragt, wer noch mal
Roland Pofalla war? Eigentlich nur der verkleidete
Peter Hintze. Die etwas überzogene Parodie auf
Günther Oettinger in „Stoiber ist weg“, wird durch die perfekte Parodie von
Edmund Stoiber, der neuerdings die Zugansagen der
Deutschen Bahn macht, wieder wettgemacht. Aber auch ihm ist die unheimliche Ähnlichkeit von
Oettinger zu
Nicolas Sarkozy aufgefallen und erklärt diesen Umstand in „Oettl und Sacko“. Ebenfalls macht die Parodie von
Angela Merkel verdammt viel Spaß. In „Glos bei Beckmann“ parodiert er
Reinhold Beckmann sehr gut, denn dieser Mann stellt Fragen, die ihn mehr interessieren als die Antworten. Die Nummer über eine typisch deutsche Familie ist gar nicht so abwegig. Kindergärtnerinnen kommen bei ihm aber gar nicht gut weg, denn „Das Leben ist ein Schuldgefühl – Ich bin Kindergärtnerin“. Ebenfalls ist es ein tragisches Zeichen, dass jede treudoofe Realschülerin die entscheidenden Jahre im Leben eines Menschen einfach so prägen darf. Die Darstellung des Mädel „Claudi“ ist wie aus dem wahren Leben, da sie mehr Piercings im Intimbereich als Klingeltöne auf dem Handy hat und zur Generation „IMM“ gehört, also „Irgendwas mit Medien“. Der Begriff „Bachelor“ wird als das „McDonalds des Bildungssystems“ bezeichnet, denn man wird schneller fett, aber nicht wirklich satt. Den Begriff Studiengebühren möchte
Florian Schroeder übrigens gegen „Eliteflatrate“ eintauschen. Es wird auch hier zum ersten Mal der Erfolg von Teeniebands wie
Tokio Hotel erklärt. Diese Bands haben gar nicht so viele Fans, sie haben nur so junge Fans, von denen auch die Eltern dann mit auf ein Konzert müssen. Wer den Sänger
Bill Kaulitz übrigens süß findet, muss sich fragen ob er noch schwul oder schon pädophil ist.
Peter Kloeppel und
Wolfgang Schäuble werden in „RTL Aktuell mit Schäuble und Struck“ sehr gut parodiert und die These, ob ein Neugeborenes aber gleich ein Terrorist ist, nur weil es aus einer Zelle stammt, ist aber sehr fraglich. Nach der Pause werden in „Dusslingen“ die Probleme des Kabarettisten, die er in kleinen Auftrittsorten hat, erklärt. Wunderschön ist der Anruf von
Angela Merkel bei einer der vielen „Dating Lines“. Auch kann die Abrechnung mit
Jürgen Milski von „Neun Live“ überzeugen. Dann folgt eine reine Parodienummer mit „Ottis Schlachthof“, wo
Ottfried Fischer,
Mathias Richling,
Wilfried Schmickler und
Jochen Busse sehr gut,
Dieter Nuhr allerdings weniger gut parodiert werden. Zum Schluss des Programms wird
Florian Schroeder sogar noch sehr nachdenklich mit „Nur zu Zeugungszwecken“ und auch die Theorie, dass es viel zu viele Ehen in Deutschland gibt und man sich nach seinem Programm am besten gleich scheiden lassen soll, ist leider nicht sehr passend. Der Abschlusssong „“Hallelujah“ von
Jeff Buckley wirkt da auch eher traurig. Fazit: Parodie 1a, Politisches Kabarett 2, Sonstiges Programm 3+, Gesamturteil 7,5 Punkte.

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