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Kwittung, bitte CD (1997) 6/10 Punkten


Bei seinem zweiten Soloprogramm trägt er noch eine normale Frisur. Im Großen und Ganzen geht es in dem Programm um die erneute Wiederwahl von Altkanzler Helmut Kohl, den Versuch vier Federspiraldübel für Rigipswände zu erstehen und Probleme, die mit seinem Steuerberater auftreten. Zunächst bekommen in „Hallo Mainz! War draußen was los?“ die Politiker ihr Fett weg, denn wenn Jobs für geringfügig Beschäftigte künftig wegfallen sollen, was macht dann der ganze Bundestag? Ebenfalls bezeichnet er Franz Müntefering als Stimmungskanone aus der Baracke, der immer guckt, als wenn er gerade beim Abendessen erfahren hätte, dass seine Frau mit dem Rhetoriklehrer von Rudolph Scharping durchgebrannt ist. In „Auf der Suche nach dem verlorenen Dübel“ wird die Toilettenfrage zwischen Männlein und Weiblein anhand des filigranen Humors aus den Tiefen des Spessarts erklärt. Diesmal gibt es keine Stammtischdiskussionen, sondern gleich Gespräche mit dem „Zum Pferd“-Wirt, vor BSE noch „Zum lachenden Rind“ betitelt. Die Kneipe befindet sich übrigens schräg gegenüber vom ersten Sargdiscounter, der „Burn out am Ganges“ anbietet. Die hohe Alkoholsucht der Deutschen erklärt sich seiner Meinung nach durch die deutschen Handwerker. Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder man fängt zu Saufen an, weil die Handwerker im Haus sind, oder man säuft, weil sie nie kommen. Wenn die Krankenkassen weitere Streichungen vornehmen, muss man demnächst auf dem Flohmarkt nach einem billigen Rollstuhl Ausschau halten oder seine Kinder zur Drogenberatung schicken, da dort kostenlose Einwegspritzen verteilt werden. Urban Priol nennt uns mit Homemanager und Controller of Private Affairs die neue Bezeichnung für die moderne Hausfrau. Den Höhepunkt des Programms stellt die Nummer „Früher war Fußball auch irgendwie anders“ dar, weil er dort den früheren Kommentator Ernst Huberty perfekt nachmacht. Einen sehr krassen Witz bringt er auch zum damaligen Hochwasser an der Oder in „Land des Lächelns“. Wie bereits oben erwähnt, hat er Probleme mit seinem Steuerberater, die darin gipfeln, dass er Post von der Vollstreckungsstelle seines Finanzamtes bekommt. Über diese Nummer kann aber bestimmt nicht nur ich lachen. Einen schönen Spruch zum Fitnesswahn der Deutschen gibt es in „Fit und schön“ zu hören: Wer sich nicht mehr bildet, bildet sich halt seinen Body. Und zu guter Letzt erzählt er in „Duden und Blasen“ mit österreichischem Charme einen uralten Witz. Fazit: Wem der politische Anteil bei Urban Priol nicht zu anstrengend ist, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Stimmt so. CD (24.10.2000) 7/10 Punkte


Urban Priol ist mal wieder fertig. Vom Leben? Von der Politik? Oder von beidem zusammen? Eher letzteres, im vorliegenden Programm bestimmt aber vor allem seine Tätigkeit als Kommunalratsmitglied seine Depressionen. Wir sollten aber von vorne anfangen: Zunächst bringt ihn die Frauenstimme in seinem neuen Navi fast zur Verzweiflung und er stellt fest, dass Aschaffenburg im nicht digitalisierten Bereich liegt. In „Grabplattenverordnung“ setzt er Lokalaufgaben mit Textaufgaben aus der Schule gleich. Er darf es sich erlauben, die Führungsriege der CDU mit den Teletubbies zu vergleichen. Die Programme des Kabarettisten Urban Priol sind immer politisch angehaucht, aber um über die „Stammtischsafari“ wirklich lachen zu können, muss man sich mit dem politischen Zeitgeschehen wirklich auskennen - bei mir hapert es da ein wenig. Beim Thema „Gesundheit!“ prophezeit er, dass man seine Blinddarmoperation in naher Zukunft mit vorhandenen Optionsscheinen absichern muss, was mittlerweile auch gar nicht mehr so abwegig ist. Passend dazu ist das „Börsengebet“ für jeden Börsianer. Den Vorschlag des „6-Stunden Tages“ von Ex-Arbeitsminister Walter Riester in „Bündnis gegen Arbeit“ steht er kritisch gegenüber, denn dies würde sich negativ auf Leute in Beziehungen auswirken. Eine perfekte Persiflage wird mit „Forsthaus Falkenau“ geboten und nicht nur Dieter Nuhr beschwert sich über das Thema „Kommunale Krötentunnel“. In „Draußen im Lande“ erklärt er uns die letzten Fixpunkte unserer immer schneller globalisierenden Welt: Gewerkschaften, Todesanzeigen und die Fassenacht. Der einzige Russe, vor dem er schon als Kind Angst hatte, ist Ivan Rebroff. In „Support the Minderheiten!“ erklärt er uns, dass seine auffallende Frisur durch ein Sozialprojekt entstanden ist. Auch er steht dem Thema Feng Shui kritisch gegenüber. Sehr fies, wie er Wolfgang Petry als Schänder frustrierter Hausfrauen bezeichnet. Die Parodie von Peter Maffay in „Green Card“ finde ich allerdings nicht sehr gelungen, da kann er andere besser. Genauso wie Andreas Möller und Stefan Effenberg bereits genug abbekommen haben. Er fragt sich dann aber in „Grabplatten online“ auch, wie ein Liegenschaftsamt tatsächlich arbeitet. Das ganze gipfelt dann in einem Beitrag, den er betrunken am Ende des gemeinsamen Betriebsausflugs des Kommunalrates vorträgt, in einem Gedankenwirrwarr, der doppelt erheitert. Lachen ist garantiert bei Urban Priol Programmen, auch wenn man hinterher sehr viele Informationen erst wieder verarbeiten muss.

Alles muss raus (2001) 7,5/10 Punkte


Der Mann mit der schnellen Zunge und dem fränkischen Dialekt. Geboren in Aschaffenburg, also Randbayer mit fränkischen Migrationshintergrund. Viele politische Themen werden bei diesem Programm angeschnitten, die man sich erstmal wieder auf dem geistigen Bildschirm zurückholen muss. Es werden aber auch ganz allgemeine Probleme des Alltags kommentiert. So beschreibt er in „Mad Nemax I“ das Gefühl, wenn man morgens aufsteht und denkt „Alle Arschlöcher zu mir“. Er rät in „Leben ohne Arbeit“, dass man das Geld für sich arbeiten lassen soll, fragt sich aber auch, was passiert, wenn das Geld dazu mal keinen Bock hat. Ebenfalls fragt er sich ob es überhaupt noch eine politisch gesellschaftliche Lage in Deutschland gibt. Den nicht eintretenden versprochenen Aufschwung der T-Aktie, konnte er sich erklären, da er einen Monteur dieser Gesellschaft mal bei der Arbeit zugeschaut hat. In „Die Bahn: Himmel und Höller“ berichtet er von dem Casting für neue Verspätungsansagen. Auch erklärt er die Expertenbildung in der Politik dadurch, dass jeder, der mal in einer Eisdiele an einem Zitronensorbet genascht hat, kurz danach Experte für Polarforschung wird. Die wirklich letzte Boombranche in Deutschland ist seiner Meinung nach die Scheidungsbranche, wobei immer noch zu viele Ehen geschlossen werden, obwohl der Trend doch immer mehr zum Leasing geht. Eine perfekte Parodie auf Rudolph Scharping wird uns in „Mister der Verteidigung“ geboten. Der Vergleich der Institutionen Mafia und Staat in „Technik makes gaga“ ist auch sehr passend. Johannes B. Kerner wird dann in „Entkernt Kerner!“ nachgeahmt. Der Höhepunkt des Programms folgt dann mit der perfekten Parodie von Gerhard Schröder, Alfred Biolek und dem italienischen Klondoktor Severino Antinori in „Bios Hexenküche“. Der Nachfolger der früheren Belastungsfrage „Haben sie gedient?“ ist übrigens „Haben Sie gebaut?“. Urban Priol behauptet in „Klon mir meine Rente!“, dass Deutsche und Genuss nicht zusammenpassen. Auch das Thema Partnerschaft und dessen Schwierigkeiten werden nicht ausgelassen und anhand des Technikfortschritts und eines Geschirrspülers erklärt. Immer wieder werden auch lustige Stammtischgespräche aufgeführt. In „Kannkind oder Musskind?“ macht er sich Gedanken über die deutsche Sprache, nicht nur weil er eine Erstklässlertochter hat. Und selbst vor dem Thema „Sex im Alter“ macht er nicht Halt. Man muss sich schon sehr konzentrieren und etwas politisch interessiert sein, um die Programme von Urban Priol richtig genießen zu können. Ist dies der Fall, sind Bauchschmerzen vom Lachen aber vorprogrammiert.

Schlagworte: comedy, kabarett, priol, urban

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