Bevor man sich diese CD zum ersten Mal anhört, muss man sich zwischen zwei Alternativen entscheiden. Alternative 1: Dies ist die neue Scheibe der Band
Guns n´ Roses. Ergebnis: Man sucht nach Beschimpfungen, die einem einfach nicht einfallen wollen. Alternative 2: Dies ist das erste Soloalbum von
Axl Rose. Ergebnis: Gewöhnungsbedürftig, aber im Endergebnis eine Ebene höher als okay. Passend ist auf jeden Fall die erste Strophe des zweiten Liedes „Shackler´s revenge“: „I got a funny feeling / there´s something wrong today / I got a funny feeling / And it won’t go away”. Der erste Track verstört, da hier die Stimme von
Axl Rose total versagt und daher nicht als die seine erkannt wird. Genauso wie man beim zweiten Song denkt, dass sich
Moby,
Nine Inch Nails und
Korn zusammengetan haben. Beim dritten Song dann erklingt dann endlich diese Stimme, die vor siebzehn Jahren alle Rockfans angehimmelt haben. Fraglich ist trotzdem ob der Refrain „Now I know you better / You know I know better / Now I know you better“ auf die Veröffentlichungstaktik von „Chinese democracy“ zutrifft. Songs über verflossene Liebschaften waren schon immer ein Thema bei
Guns n´ Roses, „Street of dreams“ erinnert daher auch stark an „November rain“. Die orientalischen Klänge am Beginn von „If the world“ verwirren ein bisschen, doch geht der Refrain auch hier sofort ins Ohr. Beim folgenden „There was a time“ harmonieren die beiden Sologitarristen
Buckethead und
Robin Finck perfekt. Eben dieser
Buckethead bestimmt mit seinen Gitarrensoli das ganze Album, da diese auf acht Songs des Albums erklingen.
Slash kann er dadurch zwar noch immer nicht ersetzen, kommt aber sehr nahe an dessen Status. Leider können viele Gittaristen einen Song auch verderben, zu hören in dem Song „Catcher in the rye“, der aber nichts mit dem gleichnamigen Roman zu tun hat. Stimmtechnisch liefert sich
Axl Rose auf „Scraped“ ein wahres Duett aus verschieden Stimmlagen. Den einzigen Gastsänger findet man mit
Sebastian Bach (
Skid Row) übrigens beim Song „Sorry“. Politische Texte sind übrigens nicht wirklich
Axl´s Ding, wie man bei „Riad n´ the bedouins“ merkt. Der Song „Madagascar“ kommt dann mit Samplern aus den Filmen „Sieben“, „Braveheart“ und der Rede von
Martin Luther King daher. Eigentlich könnte die Platte dann mit dem wunderschönen Song „This is love“, auf dem
Axl Rose zeigt, dass er das Pianospielen nicht verlernt hat, ausklingen, doch es folgt noch ein eher mittelmäßiger Song mit „Prostitute“. Fazit: Bei Alternative Nr. 2 muss man sich die Platte zwar auch mindestens dreimal anhören, doch dann mag man sie wirklich gerne.

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