Grönemeyer (1987) // 6,0 Punkte

Das Debütalbum von
Herbert Grönemeyer mit zehn Songs. Dieser Anzahl an Songs wird er übrigens bis zu seinem zehnten Album treu bleiben. Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt auf die einzelnen Titel schaue, fällt mir spontan keine Melodie mehr ein. Also einfach ganz ohne Vorurteile reingehört: Nach dem Begrüßungs-Song „Guten Morgen“ folgt das Loblied auf die antike italienische Stadt „Pompeji“. Dann folgen bei „Verflucht – es tut weh“ luftig-leichte Klänge, die so gar nicht zu dem traurigen Thema – Die Trennung von der großen Liebe - passen wollen. Genau diese Mischung perfektioniert er noch bei seinen späteren Alben. Wenn einem einfach alles zu viel wird, möchte man laut „Mensch – ich hau ab“ schreien und es in die Tat umsetzen. In „Spring ins wilde Leben“ singt er über mehrere Schicksalsschläge, unter anderem von Bruno, dem auf der folgenden Platte „Zwo“ noch ein weiterer Song gewidmet wird. Wenn die große Liebe scheitert, entstehen Texte wie bei „Julia“. Trifft man die verflossene Liebe dann nach Jahren wieder, können solche Situationen wie in „Hier in dem Lokal“ entstehen. Was geht einem Musiker kurz vor der Zugabe und währenddessen eigentlich durch den Kopf?
Herbert Grönemeyer klärt uns in „Mein Konzert“ darüber auf. Fazit: Ein gelungenes Debüt mit Melodien, die mir von nun an im Ohr bleiben werden.
Zwo (1980) // 6,5 Punkte

Natürlich steckte die Musik von
Herbert Grönemeyer bei seinem zweiten Album immer noch in den Kinderschuhen. Die Texte allerdings zeigten schon wahre Größe. Zwar ist man versucht beim ersten Song „Stau“ im Refrain „Still ruht der Stau“ lautstark das ähnlich klingende Weihnachtslied anzustimmen, doch so schön wie
Grönemeyer kann keiner „Ich hab´ Dich lieb“ sagen. Den Titel des Stückes „Commander“ kannte ich bisher nur von
Jan Fedder aus dem Film „Superstau“ und wusste daher nicht, dass es sich um ein Automodell handelt. Dadurch erfährt man, dass der Künstler wohl ein Autonarr ist, da er später seinem Kadett auch noch einen Song widmet. Wenn Freunde sich so sehr ändern, dass man sie kaum wieder erkennen kann, dann sind sie wohl genauso wie „Bruno“. Aus der Sicht eines rückfällig gewordenen Antialkoholikers ist der Song „Ich bin wieder soweit“ geschrieben. Eine tragische Familiengeschichte wird in „Kairo“ erzählt. Den Spruch „Besser Du gehst jetzt“ sollte jeder zu der Freundin des besten Freundes sagen, falls es mal ernster wird. Auch über die ersten Liebeserfahrungen des Musikers wird berichtet, nämlich mit einer Prostituierten namens „Helga“. Wie bereits am Anfang erwähnt, ist das musikalische Werk von
Herbert Grönemeyer hier noch in Arbeit, die teilweise sehr persönlichen Texte sind aber bereits voll ausgereift.
Total egal (01.02.1982) // 4,5 Punkte

Diese Platte packt mich einfach nicht genug, denn die Songs plätschern leider nur so vor sich hin. Zwar gibt es Ausnahmen wie den Titeltrack, „Currywurst“ oder „Kino“, aber das war es dann auch schon. Gut ist, dass die Phrase „Zusammen mit dir können die Tomaten ruhig fliegen“ mal in einem Song vorkommt, nämlich in „Total egal“. Auch, dass der
Asbach Uralt Werbespruch „Wenn einem so viel Gutes widerfährt“ in „´n Bombenlied“ zum Einsatz kommt, doch dann folgt der viel zu kurze Blödelsong „Currywurst“. Vielen wird sicher unbekannt sein, dass dieses Lied im Original von
Diether Krebs stammt. Die drei folgenden Songs sind nicht erwähnenswert. Bei „Kino“ treffen dann wieder Schunkelmelodien auf tiefböse Texte: Hier singt
Herbert Grönemeyer über eine Person, die die Gewaltfilme im „Kino“ in die Tat umsetzt, um das Gefühl des Tötens zu erfahren. Der Song „Darf ich mal“ handelt dann von einem Schüchternen, der sich endlich traut seine Abgebetene anzusprechen, unterlegt mit einem sehr guten Mundharmonikasolo von
Anselm Dorwarth. Und damit ist auch Schluss, den selbst der Piccolo-Trompeten-Einsatz von
Markus Stockhausen in „Vergiß es, laß es“ kann kaum überzeugen. Vielleicht die schwächste Platte in der Frühphase des
Herbert Grönemeyer.
Gemischte Gefühle (01.02.1983) // 6,5 Punkte

Ich behaupte, dass dies die Platte mit den meisten geheimen Hits von
Herbert Grönemeyer ist. Dies gilt natürlich nicht für den Eröffnungssong „Musik nur wenn sie laut ist“, der hoffentlich in jeder Top 10-Liste des Künstlers auftaucht. Vielleicht hat auch einfach das grässliche Cover viele Käufer abgeschreckt. In dem Song „Kaufen“ wird die entsprechende Sucht beschrieben, die bei der aktuellen Wirtschaftslage wohl nur noch unter sehr betuchten Herrschaften bekannt ist. Tja, wenn die Liebe nicht so schrecklich wäre, könnte man denken, allerdings würden wir dann auch so einen bittersüße Refrain verpassen, wie „Komm zurück, ich liebe Dich / bleib doch weg, ist mir auch egal / Du bist mir zu nah / Liebe, dieses klebrige Wort“ in „Komm zurück“. Die in „Kadett“ beschriebene männliche Liebe zu einem fahrbaren Untersatz ist für mich nicht nachvollziehbar und den rock´n´rolligen Refrain hab ich übrigens jahrelang falsch verstanden. Auch wenn ich dadurch etwas vorwegnehme: Der Abschiedssong „Moccaaugen“ beschreibt die Situation eines Selbstmörders, der sich wegen einer Frau umbringt. Das Ganze wird mit sehr harten Worten umschrieben, die zum Nachdenken anregen. Jeder Stricher auf dem Bahnhofsklo könnte den Text von „Etwas Warmes“ vielleicht auch falsch verstehen. Die Ballade „Onur“ ist der damals aufkommenden Gewalt gegen Asylanten und Ausländern gewidmet und geht mit seinem Text ziemlich ans Herz. Viele Liebesumschreibungen liefert
Herbert Grönemeyer in „Diamant“, besonders der Refrain „Du reißt mich hin, Du reißt mich her / ohne Dich läuft gar nichts mehr / in Dir kann ich mich verlieren, explodieren, kapitulieren / Du Diamant bringst mich um den Verstand / komm her und küß´ mich“. Zum Abschluss gibt es dann noch den Song „Hallo, was macht´n Ihr“ unterstützt durch seine Band als Männerchor in bester
Black Fööss-Manier.
4630 Bochum (14.08.1984) // 10 Punkte

Das Album mit den meisten Hits und somit auch der kommerzielle Durchbruch von
Herbert Grönemeyer. Wer in den 80er Jahren aufgewachsen ist, kann mindestens fünf der vorhandenen zehn Songs lautstark und textsicher mitsingen. Nicht nur aus dem Grund haben es die Songs „Bochum“, „Männer“ und „Alkohol“ auch auf meine „80er Jahre Fete“-Sampler geschafft. Auch fallen mir nur zu dieser Platte spätere Coverversionen ein, nämlich eine gute: „Männer“ von den
Black Fööss, aber auch eine eher schlechte: „Flugzeuge im Bauch“ von
Oli P.. Im Übrigen tauchte die Stadt „Bochum“ auch erst nach dem gleichnamigen Song auf deutschen Landkarten auf. Um kritische Worte war
Herbert Grönemeyer schon damals nicht verlegen, zu hören in „Amerika“. Natürlich musste man damals noch das Textheft studieren, um manche Refrains richtig zu verstehen, z.B. „Wascht ihr nur eure Autos“ in dem Lied „Jetzt oder nie“. Den Song „Fangfragen“ hatte ich immer schneller in Erinnerung, textlich bleibt er aber ein Meisterwerk. Das Intro von „Erwischt“ hätte dann tatsächlich von den
Black Fööss stammen können. Und das tanzfreudigste Stück „Mambo“ beendet dann diese Platte mit dem Gag „Danke James“. Ich glaube, nicht nur ich sage: Danke
Herbert für diese schöne Platte!“
Sprünge (30.04.1986) // 6,5 Punkte

Ohne einen Blick auf die Titelliste zu werfen, fällt mir zu dieser Platte spontan nur der Song „Kinder an die Macht“ ein. Viel mehr scheint mich damals also nicht beeindruckt zu haben. Jetzt, beim Wiederhören der CD, sind da dann doch noch ein paar Songs, die ich mitsingen konnte. Insgesamt kann man aber sagen, dass dies einer der melancholischen Platten von
Herbert Grönemeyer ist. Der Versuch, ernste Themen mit fröhlichen Melodien zu paaren, geht hier voll auf. Und wie ernst die Themen der Texte sind: Zwei Songs handeln von Rassismus und jeweils einer von Ausweglosigkeit, Alleinsein und der deutschen Vergangenheit. Den Anfang macht „Kinder an die Macht“, der leider mittlerweile auf
RTL/
SAT 1/
PRO 7 unter jeden Fernsehbeitrag über Kinder gelegt wird und somit fast schon nervt. Mit über sechs Minuten folgt dann mit „Tanzen“ einer der längsten Songs des Künstlers, der besagt, wenn schon in Deutschland die Rezession vorbei ist, sollte man eben wieder „Tanzen“. Die Ballade „Mehr geht leider nicht“ handelt dann von der Geliebten, der die bereits dargebrachte Liebe nicht ausreicht. Das Intro von „Mass aller Dinge“ erinnert der Melodie nach zunächst an Safariparks in Afrika, so dass der Text fast untergeht. Doch das sollte er nicht, denn die Refrainzeile „Weiße Überheblichkeit / Mass aller Dinge / Weiße Überheblichkeit / Jeder Mensch ist gleich / Der Weiße ist gleicher“ ist ein sehr gutes Statement gegen die Apartheid. In „Nur noch so“ werden mit „Überfrau mich mit Gefühl“ sogar neue Wortkreationen geschaffen. Den Song „Unterwegs“ werden dann wohl nur Künstler, die ständig auf Tour sind wirklich nachvollziehen können. Ich hätte auch nie gedacht, dass jemand die Metapher „Witz komm ´raus / Langsam wird´s lächerlich“ in einen Song unterbringen kann.
Herbert Grönemeyer gelingt es in „Lächeln“ und ihm gelingt mit der CD „Sprünge“ ein Werk, das im Nachhinein zum Nachdenken anregt, so dass man es danach noch mehr zu schätzen weiß.
Ö (30.03.1988) // 8,5 Punkte

Diese Platte hatte ich von der Patentante meines Bruders auf eine Kassette kopiert bekommen und lange Zeit nicht aus meinem Walkman genommen. Eigentlich wurde ich durch diese Platte zum
Herbert Grönemeyer Fan. Daher habe ich sie, genau wie „Luxus“, zunächst ganz ohne Notizen zu machen, genossen. Den ersten Track „Was soll das“ müsste eigentlich jeder kennen, neu waren aber die
Dire Straits-gleichen Gitarrenläufe am Anfang von „Vollmond“ - genauso wie die kritischen Worte gegenüber der Kirche, die im Song „Mit Gott“ auftauchen.
Herbert Grönemeyer und sein Klavier ergeben meist Balladen, wenn dann noch ein Saxophonsolo von
Frank Kirchner dazukommt, ergibt dies eine der schönsten Balladen, nämlich „Halt mich“. Allen Heimatlosen, wie Asylbewerbern oder durch bestimmte Berufe abgestempelten Personen ist dann das Lied „Keine Heimat“ gewidmet. Telefon- bzw. Straßenumfragen waren damals der große Renner, die schönsten Fragen sind dadurch im Song „Fragwürdig“ zusammengestellt worden. Ebenfalls wollte
Grönemeyer mit seinem ersten Remix mit der Zeit gehen, der hier mit „Was soll das (Verlängerter Neumix)“ aber noch arg tief in den Kinderschuhen steckt. Zum Schluss möchte ich auch noch feststellen, dass dies die sprachlich anstrengenste Platte ist, was ich durch einen Blick ins Textheft feststellte. Manche Textzeilen sing ich trotzdem heute immer noch so mit, wie ich sie damals verstanden habe.
What´s all this (1988) // 6,0 Punkte

Herbert Grönemeyer, den man auf Deutsch manchmal kaum versteht, singt hier seine Lieblingssongs auf Englisch. Kennt jemand noch den Titel „Du“ von
David Hasselhoff oder
Nena´s „99 red ballons“? Keine Angst, so schlimm ist es nicht, aber es ist verdammt nah dran. Witzig finde ich, dass man selbst hier die Texte falsch verstehen kann. So höre ich im Refrain von „What´s all this“ immer das Wort Wichser. Auch ist man ständig versucht den deutschen Text mitzusingen, was bei „Full moon“ und „Alcohol“ ganz extrem der Fall ist. Eine Frage: Warum wandern die Flugzeuge plötzlich vom Bauch in den Kopf? Zumindest merkt man bei „Airplanes in my head“, dass der Text nicht eins zu eins übernommen worden ist, denn die Textzeilen „Gib mir mein Herz zurück / Du brauchst meine Liebe nicht“ werden mit „Give me my heart back / It´s half broken anyway“ übersetzt. Schön finde ich, dass mit „Angst“ und „So far away“ (Original: „Unterwegs“) auch zwei eher unbekannt Songs von dem Album „Sprünge“ ausgewählt wurden. Das Lied „Men“ eignet sich am ehesten zum Mitsingen und ausgerechnet der Apartheid-Song „White arrogance“ (Original: „Mass aller Dinge“) ist vielleicht der einzige der im Ausland wirklich Erfolg haben könnte, da man diesem den deutschen Hintergrund kaum anhört. Bei seinem Heimatsong „Bochum“ finde ich es besonders gut, dass er die Textzeile „Oh Glück auf – my home“ eben nicht übersetzt hat. Insgesamt ein Experiment das nur teilweise geglückt ist.
Luxus (17.09.1990) // 8,5 Punkte

Dies ist eine der besten Platten, wenn nicht die Beste von
Herbert Grönemeyer. Dies ist auch mit ein Grund, warum ich diese Platte neben „Ö“ und „4630 Bochum“ in der Vergangenheit am meisten gehört habe. Und daher habe ich sie mir auch diesmal zunächst ganz in Ruhe – ohne Notizen zu machen – reingezogen. Nach dem Vorgänger „Ö“ erfolgte hier zwar nicht unbedingt ein Stilwechsel, aber
Grönemeyer hat die Zeichen der Zeit erkannt und etwas mehr Pop in seine Stücke einfließen lassen. Die Band hinter ihm, die seit 1986 ständig dabei ist, wirkt sogar noch harmonischer als sonst. Textlich sprach diese Platte, die kurz nach dem Mauerfall erschien, sicher auch vielen Leuten aus der Seele. Das Thema Geld und dessen Wirkung auf Leute, die nicht viel davon besitzen, wird nach einem einminütigen Intro im Song „Hartgeld“ abgehandelt. Viel weiter wäre die Gesellschaft, wenn Männer und Frauen ihre Beziehungen so enden lassen könnten, wie es in „Deine Liebe klebt“ beschrieben wird. Das damals sehr aktuelle Thema des Musikvideos, welches eigentlich jeder Künstler auf
MTV haben musste, wird sehr gut in „Video“ verarbeitet. Immer wieder erklingt ein Saxophon auf den Platten von
Herbert Grönemeyer, so schön wie das Solo in „Luxus“ allerdings sehr selten. Mit diesem Song deutet sich übrigens meiner Meinung nach die spätere schwache Phase des Künstlers und damit auch meine Antipathie gegen ihn an. Jeder Mensch sollte „Freunde“ haben und auch jeder Mensch hat schon das erlebt, was in dem Song beschrieben wird. Und eine herzzerreißende Ballade ist auch auf fast jeder Platte vertreten, hier ist es der Schlusssong „Sie“. Wie bereits oben erwähnt ist diese Platte unter den Top 3 von
Herbert Grönemeyer.
Luxus (01.12.1991) // 3,5 Punkte

Wurden drei Jahre zuvor zunächst Songs von verschiedenen Alben von
Herbert Grönemeyer in Englische übersetzt, wird hier nun gleich ein ganzes Album übertragen. Ob das Sinn macht ist fraglich, zunächst aber verwundert es, dass die Trackliste umgemodelt wurde und es mit „So close to falling“ (Original: „Haarscharf“) beginnt. Eigentlich kann ich hier auch auf mein Review zu „What´s all this“ verweisen, denn viel hat sich nicht geändert. Bei „Young blood“ (Original: „Video“) und „Marie“ ist man wieder versucht den deutschen Text mitzusingen, und als einziger Song, dem man das deutsche Original am wenigsten anmerkt ist „Luxus“ zu nennen. Das war es auch schon fast. Zu meiner Überraschung muss ich gestehen, dass ich - obwohl ich französischen Liedern eher abgeneigt gegenüberstehe - die „French Version“ von „Marie“ sehr gut finde. Das soll aber bitte nicht heißen, dass
Herbert Grönemeyer jetzt ein rein französisches Album aufnehmen soll. Gott bewahre. Diese CD bleibt wegen dem letzten Song und dem so genannten Exotenbonus in meiner Sammlung (und außerdem wegen dem viel zu hohen Einkaufspreis).
Chaos (24.05.1993) // 5,5 Punkte

Was sich beim Vorgänger „Luxus“ mit dem gleichnamigen Song schon angedeutet hatte, wird hier konsequent fortgesetzt: Das Einbringen von neuen Musikstilen wie Elektro und TripHop, sowie Synthesizer-Klängen, die eher verstörend als anziehend wirken. Trotzdem ist die Platte immer noch besser als der Nachfolger „Bleibt alles anders“. Der Titelsong gleich zu Beginn lädt sodann auch wieder zum Mitsingen ein. Der folgende Titel „Die Härte“ ist dann wieder ein Beispiel der Genialität von
Herbert Grönemeyer, ernste Texte mit erfreulichen Melodien zu mischen. Zunächst deuten Trompeter
Holger Marg und Posaunist
Marcus Scheltinga eine Trauermelodie an, welche sich dann in ska-artige Rhythmen verwandelt. Dazu ein Text gegen Skinheads mit dem wunderschönen Refrain „Hart im Hirn, weich in der Birne / ohne Hall, einfältig und klein / auf der Suche nach einem Führer / es ist hart, allein beschränkt zu sein“. Dann folgt der Song „Land unter“, welcher, wie oben erwähnt, durch die unterlegten Akkordeon- und smarten Discoklänge im Hintergrund total verwurstet wird. Unplugged macht diese Nummer Gänsehaut, so stehen mir die Haare anders vom Körper ab. Die folgenden Lieder „Fisch im Netz“ und „Keine Garantie“ könnten auch aus der „Luxus“-Session stammen. Wie bei „Land unter“ stören dann bei „Grönland“
Santana-artige Gitarrenklänge das Bild. Dafür lädt „Morgenrot“ dann fast schon zum Schunkeln ein. Auf eins ist wenigstens Verlass, nämlich auf die nur mit Klavierbegleitung vorgetragene Ballade „Kein Verlust“. Zum Abschluss kommt dann mit „Die Welle“ noch mal ein Song zum grooven. Hier macht die Rhythmussektion im Hintergrund alles richtig, sodass noch nicht mal der Megaphoneinsatz am Ende stört. Fazit: Diese Platte passt gut zwischen „Luxus“ und „Bleibt alles anders“.
Cosmic Chaos (20.10.1994) // 5,5 Punkte

Herbert Grönemeyer wollte damals halt einfach mit der Zeit gehen, daher musste dieses Remixalbum her. Vom Grundgedanken gar nicht so verkehrt, aber warum dann gleich vier Versionen des Titels „Morgenrot“? Vor allem da man, außer anhand der Länge, zwischen den ersten beiden Songs/Remixes kaum Unterschiede entdecken kann. Hier wird uns übrigens Trance von
Felix J. Gauder geliefert, der auch die Technoband
Das Modul produziert hat - kein Kommentar. Der dritte Remix ist dann in der Tat härter, daher auch „Hard Mix“ betitelt und ist von den späteren Produzenten von
Scatman John:
Tony Catania und
Ingo Kays. Der vierte Song „Dance Chaos (Stoned Mix)“ kommt dann mit einem fettem Bass daher. Hinter dem Pseudonym
MATIZ/AC 16 versteckt sich übrigens die Dancemusik-Legende
Alex Christensen, auch besser bekannt als
U96. Die beiden folgenden Remixes von „Land unter“ gehen dann auch fast unter, vor allem ist der beigefügte Rap total überflüssig. Guter alter Techno wurde dann unter den Song „Die Härte“ gemixt. Zum Abschluss dann noch mal „Morgenrot“ mit viel Bass. Fazit: Durchaus nett anzuhören, zweimal hintereinander wird die Platte aber schnell nervig.
Unplugged (30.10.1995) // 7,0 Punkte

Was ist der Grundgedanke von
MTV Unplugged? Ohne Keyboardeinsatz und E-Gitarren muss das bekannte Reportaire eines Musikers umgesetzt werden. Dies ist bei Rockbands natürlich etwas schwieriger als bei
Herbert Grönemeyer, der einfach sein Klavier und Akustikgitarren benutzt. Ein Wagnis war es auf jeden Fall, da er ja viele Balladen sein Eigen nennt und daher nicht viele schnelle Nummern im Programm hat. Ihm kam übrigens als erster deutscher Künstler die Ehre dieser Veranstaltung zu teil. Mit einer relativ schnellen Nummer fängt es trotzdem an, nämlich „Chaos“. Schon hier merkt man, dass sich das Hinzuziehen von Streichinstrumenten gelohnt hat, da dies dem Song ein ganz anderes Gewand gibt. Es unterstützen ihn übrigens vier Violinisten, zwei Violaspieler, jeweils ein Cello- und Kontrabassspieler und ein zusätzlicher Percussionist. Gut finde ich, dass
Herbert Grönemeyer seine Balladen „Halt mich“ und „Flugzeuge im Bauch“ kaum verändert hat. Warum Gutes auch verbessern wollen? Bei „Halt mich“ klatschen die Zuschauer viel zu früh, was auch auf Nichtfans im Publikum schließen lässt. Mit „Ich will mehr“ und „Tanzen“ werden auch eher unbekannte Songs dargeboten. Der Song „Vollmond“ wurde sehr umarrangiert und gefällt mir hier fast noch besser als das Original. Gesprochenen wird zwischen den Stücken kaum, trotzdem erlaubt sich der Künstler vor „Die Welle“ einen frechen Spruch über seine Eitelkeit. Klar ist es schwer, aus den Songs „Die Welle“ und „Die Härte“ langsamere Nummern zu machen, daher bleiben sie dem Original auch treu. Der Titel „Ich hab Dich bloß geliebt“ vom Album „Gemischte Gefühle“ wird kurzerhand in „Bloß geliebt“ abgeändert. Den Höhepunkt stellt dann übrigens die Nummer „Männer“ dar, die noch schneller als das Original gespielt wird und dadurch umso mehr Spaß macht. Mit dem Song „Luxus“ endet dann ein überzeugender Unplugged-Auftritt.
Bleibt alles anders (20.04.1998) // 3,0 Punkte

Was soll das? Mit diesem früheren Album-Titel von
Herbert Grönemeyer kann man diese CD am besten beschreiben. Außerdem trifft der Album-Titel dieser CD das ganze auch irgendwie. Er hat noch immer seine Ausdruckskraft (auf die Texte bezogen), aber der Musikstil? Es ist kein richtiger Dance, kein richtiger Drum´n´Bass (außer "Stand der Dinge"), kein Elektro und erst recht ist kein richtiger Keyboard-Einsatz vorhanden. Diese Platte ist eigentlich nur schlecht. Was mit besonders aufgefallen ist, ist die Tatsache das mir die erste Single-Auskopplung "Bleibt alles anders" erst nach dem zwanzigsten Hören gefallen hat. Dies war bei
Herbert Grönemeyer noch nie der Fall. Schade, schade, schade. Daß er nicht immer solche Meisterwerke wie "Bochum", "Chaos" und "Ö" herausbringen kann, ist mir auch klar, aber das hier sollte er in Zukunft besser sein lassen. Also: 1 Punkt für den Album-Titel, 1,5 für die Texte und 0,5 dafür, daß "Ich dreh mich um Dich" ein ganz billiger Abklatsch von "Halt mich" ist (das hat er nun wirklich nicht nötig).
Mensch (30.08.2002) // 4,5 Punkte

Was habe ich mich damals über dieses Album - obwohl ich es nie gehört habe - beschwert und aufgeregt. Und wie habe ich die Single „Mensch“ regelrecht gehasst, da es einfach auf allen Radiokanälen in Dauerrotation lief. Und jedes Mal, wenn ich den Fernseher anmachte, war es nicht besser. Überall wurde über dieses Album gesprochen - es war einfach zu viel des Guten. Des Weiteren missfiel mir persönlich die vorangegangene Veröffentlichungspolitik von
Herbert Grönemeyer, da viel zu viele Nebenprojekte, wie das Livealbum mit dem
NDR Hamburg Pop Orchestra und der Doppelschlag „Unplugged“ / „Live“, zwischen den regulären Alben erschienen. Hinzu kommt auch noch die herbe Enttäuschung über das Album „Bleibt alles anders“. Nachdem ich das Album jetzt zum ersten Mal gehört habe muss ich sagen: Meine Beschwerden und Befürchtungen bewahrheiten sich zum größten Teil. Der erste Song „Mensch“ gefällt, allerdings nur, wenn man ihn lange nicht mehr gehört hat. Doch bereits beim zweiten Song „Neuland“ ist die Musik zwar gut und schnell, allerdings viel zu schnell für
Herbert Grönemeyer. Hinzu kommen die kryptischen Texte, so dass ich erst beim dritten Mal verstand, dass es bei dem Text um die deutsche Vergangenheit geht. Ziemlich ungewohnt. Beim folgenden langsamen Stück „Mein Weg“ kann man mal wieder den Text falsch verstehen, was einen zum Booklet greifen lässt. Die Rock´n´Roll-Gitarren bei „Viertel vor“ kommen mir sogar übersteuert vor, da der Text kaum zu verstehen ist. Dies wird vielleicht auch ein Grund sein, dass ich den Inhalt des Textes bis heute nicht verstanden habe. Zu leichten Rumbaklängen am Anfang von „Lache, wenn es nicht zum Weinen ist“ murmelt sich der Künstler etwas Unverständliches in seinen nicht vorhanden Bart. Bei dem Stück „Unbewohnt“ zeigt die Rhythmussektion im Hintergrund vielleicht ihre beste Arbeit auf diesem Album, da sie passend zum Song das Gefühl der Einsamkeit sehr gut rüberbringt. Die folgende Nummer „Dort und hier“ erinnert durch die leicht verzerrte Stimme an alte Grammophonaufnahmen und ist leider viel zu kurz geraten. Der Song „Blick zurück“ wäre auch schön, wenn der viel zu laute Bass nicht so nerven würde. Irgendwie bezeichnend für dieses Album ist der Bonusstrack des Albums: „Demo (Letzter Tag)“ der den für mich besten Song des Albums darstellt. Vielleicht wurde er gerade deshalb auch als Single ausgekoppelt. Und nun zum Hammer: Was soll der von dem Sohn vorgetragene Hiddentrack „Felix’ Song“ auf dieser Platte? Mir völlig unverständlich und auch ein Grund zum Punktabzug.
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