Wollte mal fragen wie der ein oder andere es so mit der GEMA hält. Diese Frage geht an Veranstalter als auch an Musiker.
Seid ihr die Musiker, die es mit der GEMA sehr genau nehmen, oder die Veranstalter, die bei jeder Veranstaltung die Gebühren entrichten? Oder auch das alles nicht?
Nur mal so interessehalber. Freu mich über regen Austausch
Permalink Antwort von frank zu 12. Dezember 2008 um 20:01pm
Als Veranstalter sollte man tunlichst darauf achten, dass die GEMA bezahlt wird. Erstens lesen auch GEMA-Mitarbeiter inzwischen interessiert alle Veranstaltungshinweise, derer sie habhaft werden und zweitens wird es richtig teuer, wenn sie einen erwischen falls man nicht gezahlt hat. Dabei gilt übrigens der Grundsatz, den Oma schon immer verkündete: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!"
Na ja, ob man als Musiker die Rechteverwertung an die GEMA abtritt oder nicht, dürfte für die meisten eine ganz persönliche Entscheidung sein. Und seien wir ehrlich: Für die meisten ist die Entscheidung, egal wie sie ausfällt, völlig belanglos, es gibt so oder so nichts...
Permalink Antwort von Jan zu 12. Dezember 2008 um 23:38pm
Sagen wir es mal so: ein Musiker, der nur alle zwei Wochen ein Konzert spielt und nur dort und vielleicht noch über ein paar Mailorder seine in Kleinauflage gepresste CD verkauft, muss richtig dämlich sein, wenn er in der GEMA ist. Denn die Mitgliedsbeiträge werden die Ausschüttungen immer Übersteigen, ganz zu schweigen von den für eine Selbstproduzierte CD dann zu zahlenden Gebühren.
Anders sieht es bei Bands aus, die regelmäßig touren und einen Plattenvertrag haben. Da ist die GEMA-Mitgliedschaft normalerweise eh obligatorischer Vertragsbestandteil, weil das Label bzw. der Verlag i.d.R. nämlich die Gebühren, die es für eine CD-Pressung zahlen muss, schon einkalkuliert und mit der Gage verrechnet.
Als Veranstalter sollte man immer zahlen. Ihr glaubt gar nicht, wie oft wir in den letzten Jahren von der GEMA angeschrieben wurden mit der Aufforderung, bei der Feststellung des tatsächlichen Veranstalters von Terminen, die in unserem Kalender standen, zu helfen. Ein paarmal haben wir sogar schon Rechnungen für Konzerte bekommen, die hier lediglich im Kalender standen, mit denen wir aber sonst nix zutun hatten ... Natürlich geben wir in so Fällen nie Daten raus, eigentlich eine Frechheit die Masche.
Im Großen und Ganzen bin ich aber wahrlich kein GEMA-Freund. Einen solchen merkwürdigen Verein in dieser Ausprägung kann es nur in einem überbürokratisierten Land voller Verordnungsfetischisten wie unserem geben. Und die Kohle aus euren Beiträgen und Gebühren landet eh zum Großteil bei Tokio Hotel, Hansi Hinterseer, Dieter Bohlen oder (was ich am schlimmsten finde) versumpft einfach im immensen Verwaltungsapparat der GEMA selbst.
Dass es auch anders und auch fairer geht, zeigen so viele Beispiele (in anderen Ländern, aber auch andere Verwertungsgesellschaften in Deutschland). Aber was soll man machen ... zumindest als Veranstalter kommt man ja nicht drumrum.
Dem gibt es im Grunde nichts hinzuzufügen. Ich habe mir vor Jahren die Mühe gemacht, einen Musikverlag zu gründen und diesen bei der GEMA anzumelden. War für mich eine durchaus interessante; wenn auch aus Musikersicht für mich nicht "sinnhafte" Erfahrung. Ein Label habe ich auch angemeldet und das Ganze auch über die GVL vewerten lassen. Die Auszahlungsschlüssel von beiden Firmen sind hanebüchen - aber es kann auf jeden Fall für eine Band gut und interessant sein, sich selbst und / oder mehrere Künstler zu labeln. Sowohl aus rechtlichen als auch aus finanziellen Gründen.
Permalink Antwort von Veety zu 13. Dezember 2008 um 10:00am
Jan und Frank haben an sich alles gesagtgeschrieben. Als Veranstalter (vom Konzertsaal bis zum AWO-Heim) sollte man tunlichst alle Konzerte anmelden. Je nach Größe und Eintritt vielleicht nicht ganz billig, aber eine Nachzahlung in doppelter Höhe tit viel mehr weh. Mitarbeiter der GEMA durchkämmen die bekannten Magazine, etc., Online-Datenbanken (Events), holen sich Tipps von Venues, bei denen sie gerade sind ...
Es gibt da auch Mengenrabatt, wenn es nicht bei einer Veranstaltung bleiben soll.
Für Musiker/Bands/Komponisten etc.: Wenn sie denn schon bei der GEMA/GVL sind, dann sollten sie auf jeden Fall jeden Gig anmelden, um in dem unübersichtlichen Punkteschlüssel berücksichtigt zu werden. So ganz nebenbei: Bei Auszahlungen der GEMA und Gastspielverträgen der Veranstalter könnte das Finanzamt eines Tages aufhorchen (auch eine Band ist eine Firma).
jetzt ist wirklich eigentlich alles geschrieben. da ich just vor wenigen tagen aber post von der gema bekam, wollte ich mir das nicht verkneifen. mein gema-konto weist in der aktuellen abrechnung also ein saldo von 33 euro auf.
ein verein, in dem ein saldo für zahlende mitglieder überhaupt entstehen kann, hat seine aufgabe doch auch schon ein stück weit verfehlt. müsste ich nicht wegen von jan erwähnten vertragsbedingungen da drin bleiben - ich wär schon längst raus...
Um welche Vertragsbedingungen geht es? Meine Erinnerung sagt mir, dass es eine sechsmonatige Kündigungsfrist gibt. Dementsprechend unproblematisch. Saldo unabhängig vom GEMA-Beitrag?
Permalink Antwort von Steve zu 14. Dezember 2008 um 13:17pm
Ich mache ja regelmäßig Veranstaltungen. Nehmen wir z.B. die "All we need is Beer" Klamotte im Pub18 in Gevelsberg. Kleiner Laden, Konzert in der Woche, ca. 30 Leute da für 4 Euro Eintritt. Macht 120 Tacken... die Gema nimmt aber schon ca. 100 Euro für die Veranstaltung, ob jetzt 3 oder 300 Leute da ind ist denen egal. Wie soll man das bezahlen. Bleibt halt nur die Möglichkeit Bands spielen zu lassen die nicht bei der Gema sind. Melde das dann an, schicke nach dem Konzert die Musikfolgen weg und gut ist es. Oft bekomme ich trotzdem erstmal ne Rechnung, die dann ein paar Tage wieder stoniert wird. Habe regelmäßig Stress mit dem Sau-Laden und der Schriftkram füllt schon ganze Ordner. Bei den Veranstaltungen im Kultopia zahl ich pauschal 150 Euro und bin raus, weil das ganze übers Kultopia läuft. Da lade ich dann gerne Bands mit Vertrag etc. ein, weil zahlen muß ich ja sowieso.
Wie oben schon geschrieben steht, lohnt sich eine Mitgliedschaft erst bei ner gewissen Anzahl an Konzerten. Ich muß für Pub18 100 Euro zahlen, der Künstler oder Band bekommt aber am Ende des Jahres wohl pro Gig nur ca. 20 Euro ausgezahlt. Also da drücke ich der Band doch lieber 20 Euro in die Hand als für die Gema zu blechen.
Für kleine Veranstalter wie mich, die das ganze aus Spaß an der Freude machen und nicht selten draufzahlen (wenn man Flyer, Plakate, Zeit, Spritgelder und Gagen einrechnet) ist das echt ein hartes Brot. Zum Glück gibt es viele Bands die halt nicht bei der Gema sind und die ich gerne bei mir spielen lasse.
Permalink Antwort von Jan zu 14. Dezember 2008 um 21:59pm
Da hst du aber Glück. Normalerweise fallen bei Veranstaltungen immer Gebühren (deren Höhe richtet sich nach einer Formel, die sich aus Raumgröße und Eintrittspreis berechnet) an, ob die Bands in der GEMA sind oder nicht - denn die GEMA glaubt einem normalerweise nicht, dass in den Pausen, vor und nach dem Konzert oder aber an der Theke der Bar keine Musik gespielt wird.
Wenn letztere in deinem Fall vom Pub18 eh bezahlt wird (was wohl so ist, da jede Kneipe GEMA-Gebühren zahlen muss, genau wie jeder Friseursalon und jede Pommesbude, in denen ein Radio dudelt oder ein Fernseher läuft), würd es dann nicht Sinn machen, die Veranstaltung GEMA-technisch über eben den Pub18 abzurechnen? Dann müssten sich die Gebühren deutlich reduzieren.
Du könntest natürlich auch als Veranstalter einen Deal mit denen abschließen. Dann wird was ausgehandelt und du kommst (grad bei deiner Summe an Events) deutlich günstiger weg. Evtl. lassen die sich bei Konzerten von 5 Euro und weniger Eintritt dann sogar auf nochmal speziellere Tarife ein.
Ist zwar ein bürokratisches Monster, aber wenigstens lassen sie mit sich reden und sind grade bei "guten Kunden" fast immer zu Spezialdeals bereit.
Das ist nicht richtig, Jan. Ich spreche aus Erfahrung und das, was Steve mitgeteilt hat, entspricht meinen Erfahrungen. Ich habe mehrmals nach Veranstaltungen Post von der GEMA gekriegt. Und wenn entsprechende Musikfolgen mit Titeln beigebracht werden, die GEMA-frei sind, fallen keine Kosten an. Das lief in meinem Fall auch relativ unbürokratisch über die Bühne. Natürlich ist alleine schon der Kontakt und das Beibringen der Musikfolgen durchaus nervig, aber man kommt bei entsprechender Begründung auf jeden Fall ohne GEMA-Zahlung aus der Nummer heraus.
In Bezug auf die Thekenmusik vor und nach den Konzerten kommt es darauf an, ob der Veranstalter, bzw. der Wirt der Location, eine "Hintergrundbeschallungskonzession" hat. Sollte dies der Fall sein, fallen keine weiteren Kosten an.
Permalink Antwort von Jan zu 15. Dezember 2008 um 11:15am
Das ist ja ein Scheiß. Dann haben wir in den vergangenen vier Jahren weit mehr als 1.000 Euro unnütz an die GEMA gezahlt?
Denn bei den Hagen-Rocks-Partys ist mit ganz wenigen Ausnahmen nie GEMA-pflichtiges auf der Bühne gewesen. Und trotz natürlich stets eingereichter Musikfolgen mussten wir immer voll bezahlen - schlussendlich dann aber scheinbar nur für die Musik, die in der Kneipe im Nebenraum (mit der wir ja nix zutun haben) lief oder was?
Ich krieg grad das Kotzen. Bislang hab ich mich imemr nur geärgert, dass wir trotz unseres Eintritts von 5 Euro und weniger trotzdem nie den reduzierten Tarif hatten - aber selbst der wäre natürlich horrende im Vergleich zu nix.
Permalink Antwort von Jan zu 15. Dezember 2008 um 14:03pm
Da fällt mir doch grad ein, dass ich nicht weit genug gedacht habe. Wir hätten ja für unsere Disco im Anschluss und die Musik, die immer in den Umbaupausen über die Boxen lief, eh zahlen müssen.
Ist nur schade, dass das Geld ausschließlich in die Punkteverteilung kommt. Das heißt, bei uns wäre es für die Bands sogar sinnvoll, in der GEMA zu sein, da eh gezahlt wird und sie dann wenigstens was davon abbekommen würden - wie man zähneknirschend feststellen muss.
Würde es die GEMA nicht geben, dann wären durch den Zugewinn aber alleine pro Band etwa 25 Euro Gage drin, im Gegensatz zu den paar lächerlichen Kröten Ausschüttung minus des Mitgliedsbeitrages, den sie bei einer Mitgliedschaft bekommen würden.
Irgendwie hab ich bei denen das Gefühl, sie sind so eine Art umgekehrter Robin Hood in Behördengestalt.
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